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  • Susanne Strässle

Was Verliebte und Verlassene gemeinsam haben

Glücklich verliebt und unglücklich verlassen, zwei Gefühlszustände, die gegensätzlicher nicht sein könnten. Und doch haben sie etwas gemeinsam, das du nach der Trennung dringend ändern solltest.


Und das ist es, dass diese beiden fernen Beziehungswelten verbindet:


Nie sehen wir unseren Partner so unrealistisch, wie wenn wir frisch verleibt oder (unfreiwillig) getrennt sind.


Verliebtheit und Trennung. Beides ist alles andere als alltäglich. Und fern des Alltags wird der Andere für uns zur Projektionsfläche.

Solange wir einen begehrten Menschen noch nicht gut kennen, ist dieser Mensch wie eine Verheissung: Das Ziel und der Spiegel all unserer Wünsche, Hoffnungen und Bedürfnisse. Unsere Verbindung ist noch unbelastet und ungeprüft vom Alltag, noch ungeahnt die Macken und Eigenheiten, noch unsichtbar das Unpassende. All das, womit wir später in Beziehungsarbeit einen gemeinsamen Umgang finden müssen.


Nach der Trennung ersehnen wir die innige Vertrautheit zurück. Plötzlich im Verlust steigen sie auf, all die schönen Momente, die gemeinsamen Erlebnisse und Abenteuer, mehr noch, dieses verschworene Wir. Und dieser Partner, der uns unersetzlich erscheint, weil er all das für uns erst möglich machte. Mit dem noch so viel möglich scheint, würde er nur wollen.


Das passiert uns ausgerechnet jetzt, wo der andere uns mit seinem Handeln genau das Gegenteil vor Augen geführt hat. Trotz der Enttäuschung und Wut erleben das viele Frauen: Du siehst plötzlich nur noch das Gute, das verloren gegangen ist, das Glückliche, das du jetzt schmerzlich vermisst.

Diese quälende Sehnsucht wirkt wie ein warmer Kokon, weil wir dabei zurück in etwas Vertrautes eintauchen. Aber du spürst es bestimmt selbst: Das ist unglaublich schmerzhaft und hilft dir nicht weiter.


Kennst du das? Dass die Trauer dich mit einem starken Sog in eine tiefe Sentimentalität und alles überflutende Sehnsucht hineinzieht?


Wenn diese Sehnsucht dich packt, ist es Zeit für einen heilsamen Realitätscheck.

Zeit, den Anderen vom Thron zu holen, auf den du ihn gesetzt hast.

Nein, du musst niemanden schlechter machen, als er ist.

Nur zurück auf den Boden der Tatsachen darf er jetzt kommen.


Das gelingt dann, wenn du dir das in einer ruhigen Stunde wirklich überlegst. Stell dir diese Fragen und schreib die Antworten für dich auf. Du wirst sie brauchen können, wenn die unerträgliche Sehnsucht dich wieder packt.


Überlege dir ganz konkret:

- Was hat dich am anderen immer wieder gestört?

- Wo hatte er Schwächen oder Macken, mit denen du nicht gut umgehen konntest?

- Was hat immer wieder zu Streit geführt?

- Wo hat er dich schlecht behandelt oder deine Meinung nicht ernstgenommen, Bedürfnisse nicht anerkannt oder Grenzen nicht respektiert?


Das kann sehr unterschiedlich sein.

Vielleicht hat er dein Selbstwertgefühl untergraben mit verletzenden Kommentaren, vielleicht hat er auch einfach den Müll nie rausgebracht und die Arbeit im Haus nicht gesehen.

Vielleicht hat er deine persönliche Freiheit eingeschränkt und dir Vorschriften gemacht.

Oder hat er deine Freunde schlecht gemacht?

Dir die Freude an etwas nicht gegönnt, was dir wichtig war?

Immer nur genommen statt auch zu geben?

Oder hat er in der Nase gebohrt und die Socken nie gewechselt?


Sicher fallen dir auch konkrete Situationen ein, als du verletzt oder enttäuscht warst in deiner Beziehung. Notiere auch sie.


Vielleicht sagst du jetzt aber auch: Da gibt es nichts. Alles war wunderbar.

Dann rate ich dir zu einem mutigen Schritt.


Frag deine Freunde. Wie haben sie euch als Paar wahrgenommen? Wie deinen Partner? Auch im Umgang mit dir. Bitte sie um eine ehrliche Antwort. Du wirst vielleicht staunen, was ihnen aufgefallen ist, wofür du kein Auge hattest. Und was sie dir aus Höflichkeit nicht sagten. Das kann betroffen machen. Nimm es ihnen nicht übel. Sondern prüfe für dich, was du von ihnen hörst, und was du mitnehmen möchtest.


Und wenn sie wieder an dir zehrt, die grosse Sehnsucht, dann lies, was du notiert hast. Am besten laut. Satz für Satz.


Es geht darum, wieder klar zu sehen. Lass den Andern wieder zu dem werden, was er ist. Ein Mensch wie jeder andere, mit Vorzügen, aber auch mit Fehlern und Schwächen. Und Eigenheiten, die dir vielleicht nicht gut getan haben.

Das tust du nicht gegen den Andern.

Das tust du für dich.


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