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  • Susanne Strässle

Befreie dich von Pessimismus, der vorgibt, dich nach der Trennung zu schützen

Nach einer schmerzhaften Trennung verspricht uns ein vermeintlich gesunder Pessimismus, dass wir uns so vor weiteren Verletzungen schützen können. Aber zu welchem Preis? Es gibt so viel bessere Wege, für dich zu sorgen.

Wertschätzung nach der Trennung

Was passiert da mit uns, wenn mit der Trennung unsere (Beziehungs-)Welt zusammenbricht? Plötzlich sehen wir alles nur noch schwarz, Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft. Da ist ein Pessimismus, der dich jetzt vielleicht mit grosser Wucht erfasst, und ganz schön belastend ist.


Dieser Pessimismus ist auch ein Schutzmechanismus, wenngleich kein hilfreicher. Nachdem wir vielleicht ahnungslos vom Trennungsschock überrascht wurden, fährt er die Schutzwälle hoch und mahnt zu Misstrauen und Vorsicht:

  • Er schlägt Alarm: Achtung, gilt es hier etwas Wichtiges zu lernen? Nämlich, dass wir nicht vertrauen und auf andere bauen sollen? Vielleicht dockt das auch nahtlos an frühere Erfahrungen an, die wir jetzt wie durch einen Filter überall entdecken – und schon ist ein neuer Glaubenssatz gezimmert oder ein alter frisch poliert.

  • Dieser Pessimismus will uns aber auch in Zukunft schützen: Es hat uns eiskalt erwischt, das soll uns nicht nochmal passieren, jetzt wollen wir gewappnet sein: Besser, wir rechnen fortan auch künftig stets mit dem Schlimmsten.

Das ist eine problematische Entwicklung: Wir ziehen den Schluss, dass auf die Welt und andere kein Verlass ist, und dass wir sie meiden müssen, weil wir schon diesen Schlag kaum bewältigen können.

Pessimismus will uns vor unangenehmen Überraschungen schützen, und er scheint in einer unverlässlichen Welt paradoxwerweise das Einzige zu sein, worauf Verlass ist. Aber er ist ein falscher Freund, der nichts Gutes für uns tut.

Er gaukelt uns nämlich vor, dass wir wir uns vor Enttäuschungen und Erschütterungen schützen und uns gegen sie wappnen können, wenn wir nur allzeit und überall mit ihnen rechnen, oder uns den Risiken des Lebens schon gar nicht mehr aussetzen.

Ich war früher eine Meisterin in vorauseilendem Pessimismus. Eine, die immer dachte, sie fällt durch Prüfungen, das Restaurant sei ohnehin schon voll, die Stelle schon vergeben, der Bus schon abgefahren – wird bestimmt alles schief gehen. Das ging so weit, dass ich, als ein Freund, der mich im Auto nachhause fuhr, einst einen kleinen Unfall baute, überhaupt nicht überrascht war oder erschrak – weil ich ja ohnehin ständig mit einem Unfall gerechnet hatte. Ich war auch immer die, die einen Schirm dabei hatte, wenn andere tropfnass wurden.

Aber was für eine Befriedigung ist das denn bitte? Gut, manchmal wird das Leben deinem Pessimissmus zweifellos recht geben: Seht her, habe ich es doch gewusst! Denn auf der Welt gibt es nichts, was es nicht gibt, also wirst du auch Bestätigung finden. Gerade dann, wenn du diesen Filter aufgesetzt hast.

Aber was ist der Preis darfür? Was ist mit den Tausenden von Malen, wo du dir vergebliche Sorgen gemacht hast? Ganz zu schweigen davon, dass unser negatives Denken mitunter die Konsequenzen erst hervorruft, die wir fürchten.

Und geschützt hat mich das negative Denken überhaupt nicht. Kein Schicksalsschlag war milder, nur weil ich ihn für möglich gehalten hatte. Auch ist das Schicksal viel kreativer als wir es in unserem Denken sind.

Wirklich beschützen kann dich nur eins im Leben: Die Gewissheit in dich selber, dass du mit den Herausforderungen des Lebens umgehen kannst. Dass du weisst, du kannst dir auf eine heilsame Weise beistehen – ganz egal, was im Aussen passiert.

Dann müssen wir uns nicht vor dem Leben verschliessen. Wir können offen bleiben auch angesichts der Ungewissheit, die zu jedem wahrhaft gelebten Leben gehört. Denn Liebe und Intimität gibt es auch künftig nur um den Preis von Nähe, Offenheit und damit Verletzbarkeit. Wenn wir dabei auf uns selbst bauen können, müssen wir nicht als Pessimissmus-Champions durchs Leben gehen.

Hierfür können wir lernen, wie wir mit unseren Enttäuschungen umgehen. Denn was daraus folgt, was für Gedanken sie wecken, an was für alte Erfahrungen wir sie andocken lassen, das alles geschieht in uns selbst. Auch wie liebevoll oder hart wir dann mit uns umgehen, ist etwas, das bei uns passiert. Und somit etwas, das wir bewusster wahrnehmen und das wir ändern können. Wenn wir anders damit umgehen können, als mit unseren üblichen, erlernten Mechanismen, dann nimmt uns das die Angst und gibt uns viel Freiheit und Selbstbestimmung zurück.

Dann können wir auch den Schirm getrost mal zuhause lassen, das Gesicht in den Regen halten und merken: Hey, ich bist ja sogar wasserfest. Wir können uns Zuversicht leisten, im Wissen darum, dass wir nicht verloren sind, auch wenn mal etwas richtig schief geht im Leben.

Es geht nicht um naiven Optimismus. Hoffentlich lernen wir aus unseren Erfahrungen und auch aus Enttäuschungen. Aber fortan zu denken "Mir passiert ohnehin nichts Gutes" hat nichts mit Lernen und nichts mit Realitätssinn zu tun. Das ist ein Schneckenhaus, das wir selbst in unserem Innern bauen. Nicht freiwillig, sondern deshalb, weil wir noch nicht wissen, wie wir mit unserer Verletzbarkeit anders umgehen könnten.

Zuversicht ist lernbar. Auch ich musste das lernen, musste aus dem vermeintlichen Schutz des Pessimismus herausfinden. Freundinnen von mir können ein Lied davon singen aus jener Zeit. Doch heute ist alles anders. Deshalb weiss ich: Auch du kannst Zuversicht. Willst du sie in dein Leben holen?



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1 Comment


Guest
Aug 02, 2023

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