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  • Susanne Strässle

Durch die Trennung ohne festzustecken

Trennung verläuft in Phasen. Das ist gut zu wissen, denn es gibt Orientierung und du erkennst: Was du durchmachst ist normal, und wird sich auch wieder verändern. Dennoch gibt es in jeder Phase auch heikle Punkte, wo du stecken bleiben kannst. So erkennst du sie und kannst das verhindern.

Der Weg durch die Trennung gleicht einem Labyrinth

Trennungsverarbeitung verläuft in Phasen. Wahrscheinlich hast du davon schon gehört. Sie gleichen den Phasen der Trauer – auch wenn Tod und Trennung sich unterschieden, so sind diese Krisen doch verwandt. Beide begleitet der Schmerz des Abschieds und des Loslassens.

Ich möchte dir die Trennungsphasen hier kurz vorstellen, und dir sagen, warum ich das Modell wertvoll finde, obwohl deine Trennung gleichzeitig so individuell ist wie du selbst.


Vor allem aber möchte ich dich dann dafür sensibilisieren, worauf du achten kannst, um in diesen Phasen nicht länger als nötig stecken zu bleiben.


Dies sind die vier Trennungsphasen:

1. Phase des nicht wahrhaben Wollens der Realität

In dieser ersten Phase ist die Trennung noch gänzlich surreal und unfassbar. Wir sind unter Schock, wollen sie nicht wahrhaben. Sie ist oft noch nicht überall im Umfeld kommuniziert, und sie scheint uns so falsch und unglaublich, dass wir denken, der Irrtum müsste sich jeden Moment aufklären, der Andere wieder zur Vernunft kommen. Alles in uns weigert sich, diese Realität zuzulassen.

2. Phase der aufbrechenden, heftigen Gefühle

Wir erleben ungeahnt heftige, unkontrollierbare und sehr wechselhafte Gefühle, wie Trauer und Verzweiflung, aber auch Wut und vielleicht Hass, im Wechsel mit grosser Angst und ebenso grosser Sehnsucht und Gefühlen der Liebe und des Vermissens. Mitunter erfasst uns Aktivismus und der Drang, den andern zu überzeugen, mit ihm zu verhandeln, sein Denken und Fühlen mit aller Macht zu verändern. Wir sind überzeugt, dass die Krise uns verändert und geläutert hat, und wir jetzt bereit sind, die Beziehung neu und besser zu gestalten, wenn der Andere nur wollte.

3. Phase der Akzeptanz Wir realisieren, dass die Beziehung vorbei ist und auch nicht wiederkommt. Wir beginnen dies anzuerkennen und zu akzeptieren. Zugleich kann es ein Moment der Desorientierung sein, eine Art Nullpunkt: Das Alte ist vorbei, das Neue noch nicht fassbar. Aber die Energie ist nicht mehr so stark beim Andern, es wird Energie frei für uns und unsere Neuorientierung, man tastet sich in seine neue Welt, merkt, dass man vergeben und loszulassen muss, um nicht in der Opferrolle zu bleiben.

4. Phase des Aufbruchs und Neuanfangs

In dieser Phase gestalten wir unser Leben neu, vielleicht auch mit einem gewandelten Selbst- und Weltbild. Wir erleben uns anders, verändern uns. Oft wollen wir jetzt auch gar nicht mehr zurück. Die Schuldfrage wird relativiert und unbedeutender, die Zukunft beginnt wieder Gestalt anzunehmen.

Die Trennungsphasen sind ein Modell. Und ein Modell ist nie die Wirklichkeit ist, sondern immer nur ein Werkzeug, um die Wirklichkeit zu deuten, besser zu verstehen und mit ihr umzugehen. Warum ich es wertvoll finde?


Weil es in der Verzweiflung einer Trennung gut und wichtig ist zu wissen: Bu verlierst nicht den Verstand, was du erlebst ist normal - ob Schock, Gefühlsausbrüche, Niedergeschlagenheit oder Aufbruchsstimmung. Es ist ok, dass du Zeit dafür brauchst, ja es ist sogar sehr wichtig, dass alles seinen Platz hat. Zudem: Du bist damit nicht allein! Und - noch wichtiger - das Wissen um diese Phasen sagt dir auch: Was du jetzt für unüberwindlich hältst, wird nicht für immer so bleiben, sondern übergehen in eine andere Phase, egal wie tief das Loch jetzt ist, in dem du dich erlebst.


Ich erlebe und arbeite als Trennungscoachin mit Frauen in all vier Phasen: noch tief im Trennungsschock, mitten im heftigsten Gefühlssturm, in Leere und Orientierungslosigkeit, oder beim Verlangen, das neue Leben sinnvoll zu gestalten.


Dabei kommen immer wieder auch Frauen zu mir, die in einer dieser Phasen schon ziemlich lange wie gefangen sind und merken, sie kommen irgendwie nicht mehr voran. Manchmal jahrelang.



Das zeigt: Der Trennungsverlauf in Phasen ist kein fester Mechanismus, das läuft nicht einfach wie ein Uhrwerk. Phasen können sich vermischen und wir gehen manchmal vor und zurück. Und manchmal gehts nicht weiter voran.


Auch wenn mir ganz wichtig ist zu sagen: Du darfst und sollst dir alle Zeit geben, die du brauchst für Abschied und Neuanfang. Und doch gibt es Stolpersteine in diesen Phasen, die uns wider Willen blockieren können.


Das soll dir keine Angst machen, im Gegenteil. Denn es gibt immer einen Ausweg. Hadere auch nicht damit, wenn dir das passiert. Es zeigt, wie erschütternd die Trennung für dich war – und dass du ein lebendiger, fühlender Mensch bist! Mir ging das selbst damals nicht anders.


Ich möchte dir vielmehr Mut machen und dich ermuntern hinzuschauen, und zu erkennen, was du für dich tun kannst: Wie kannst du darauf achten, was mit dir passiert? Wie verhindern, dass du zulange steckenbleibst im Schmerz?


Noch einmal gehe ich mit dir durch die vier Phasen, diesmal mit einem Blick auf die möglichen Hindernisse, die du überwinden kannst:

Stolpersteine in der 1. Phase des nicht wahrhaben Wollens der Realität

Es kann vorkommen, dass sich Frauen in dieser Phase (ungemütlich) einrichten. Gerade wenn der Partner immer wieder leise Hoffnung schürt, bleiben sie in einer Warteposition. Vielleicht gehen sie sogar zu Freundinnen und Familie auf Abstand, die sie darauf ansprechen. Sie richten ihre Lebensplanung darauf aus, bereit zu sein, falls der Partner zurückkommt und signalisieren das auch. Selbst wenn der Partner vielleicht schon eine neue Partnerin hat. Was als erste Reaktion völlig verständlich ist, wird nach Monaten und Jahren zur grossen Belastung, da es eine ständige Selbstverleugnung der eigenen Gefühle und Bedürfnisse erfordert. Besonders schwer ist es, wenn der, der gegangen ist, den Schlussstrich nie richtig gezogen hat, so dass du das selber tun müsstest. Zwingen kannst du dich dazu nicht. Aber hier hilft es, deinen Bedürfnissen mehr Raum geben zu lernen und deine Selbstwertschätzung zu stärken, und auch das (Selbst-)Vertrauen in dich, dass du ohne diesen Menschen glücklich sein kannst.

Stolpersteine im in der 2. Phase der aufbrechenden, heftigen Gefühle

Diese Phase ist absolut normal - und wichtig. Unsere Emotionen ehrlich zu leben ist ein wichtiger Teil zu ihrer Verarbeitung. Mitunter können das Gefühl der Ungerechtigkeit, die Empörung, die Wut, Enttäuschung und das Entsetzen aber so wichtig werden, dass manche über Jahre darin feststecken. Denn würden sie nicht dem Anderen Recht geben in seinem Tun, wenn sie weitergehen? Würden sie nicht Unrecht gutheissen? Besonders deutlich wird das auch in langen Rosen- und Scheidungskriegen. Hier gibt es jeden Tag Gelegenheit, den Vorrat an Wut und Hass und Empörung neu aufzufüllen. Man hat irgendwann auch schon so viel persönlichen Lebens-Einsatz geleistet, dass "verlieren" gar keine Option mehr ist. Und verliert doch Tag für Tag: Lebensfreude, Leichtigkeit und Energie für sich selbst, Lebenszeit. Wenn du das feststellst, ist es Zeit aus dieser Spirale auszusteigen, wenn nötig mit Hilfe.

Stolpersteine in der 3. Phase der Akzeptanz

Diese Phase kann befreiend sein, denn jetzt wird wieder Energie frei für anderes, Energie, die bisher noch ständig zum Andern und in die Auseinandersetzung mit der Trennung geflossen ist. Aber das kann auch mit einem Gefühl von Leere und Orientierungslosigkeit einhergehen. Diese Phase ist zu Beginn eine Art Nullpunkt. Ist es bei manchen ein Gefühl des Aufbruchs, fühlt sich das Loslassen für andere an wie eine Resignation. Begleitet von der Angst oder Überzeugung, dass nichts Berauschendes mehr da draussen auf sie wartet, manchmal einhergehend mit einem Gefühl des Scheiterns. Es ist auch oft ein Abschied von Idealen, nämlich der "intakten Familie" oder der idealen Paarbeziehung, in der man zusammen durch dick und dünn geht. Wir fühlen uns desillusioniert. Vertrauen scheint vielleicht für die Zukunft kaum mehr möglich. Wenn du merkst, dass ein neues glückliches Leben unvorstellbar scheint oder dass du ein einengendes Idealbild von einem glücklichen Leben hast, dann lohnt es sich auch hier, deine Glaubenssätze, dein Selbstbild, und vielleicht auch deine Ängste anzuschauen, die dir den Weg Richtung Zukunft versperren.

Stolpersteine in der 4. Phase des Neuanfang

In dieser Phase bist du bereit, einen Neuanfang zu machen, du spürst wieder Mut und die Lust, Neues zu entdecken. Du willst jetzt wahrscheinlich nicht mehr ins Alte zurück. Vielleicht bist du bereit, dich wieder zu verlieben, oder bist sogar schon in einer neuen Beziehung. Alles bestens also? Entscheidend ist hier, was du für Schlüsse gezogen hast aus dem Geschehenen. Was du über dich erfahren hast und über deine Bedürfnisse, und wie du für sie einstehen, aber auch Verantwortung für sie übernehmen kannst. Hast du deine Beziehungsmuster reflektiert und dich gefragt, was du in einer neuen Beziehung anders möchtest? Ist dein Selbstwertgefühl intakt? Kannst du Bedürfnisse aussprechen und wo nötig Grenzen setzen? Wir sollten in einer neuen Beziehung die Bestätigung und Wertschätzung nicht ausshliesslich im Aussen suchen. Das macht uns abhängig vom Urteil anderer. Wenn wir uns nicht getrauen, hinzuschauen und uns mitzuteilen, können wir in neuen Beziehungen wieder in alte Fahrwasser geraten. Es lohnt sich, in dieser Phase auch für sich alleine "ganz zu werden", sich besser kennenzulernen, um dann, falls gewünscht, authentische und aufrichtige Beziehungen ohne Abhängigkeit eingehen zu können.

Es lohnt sich also doppelt und dreifach, in jeder dieser Trennungsphasen auch achtsam hinzuschauen, was bei dir passiert.


Einerseits, um auf gute Weise weiterzugehen. Zweitens, um sie durch die reflektierende Sicht erträglicher zu machen und dir die nötige Selbstfürsorge zukommen zu lassen. Und nicht zu letzt, weil wir dadurch aus einer äusserst schwierigen und belastenden Lebensphase auch eine wertvolle Zeit machen können: wertvoll, um selber zu wachsen, für eine glückliche, gestärkte Zukunft, in der wir sein können, wer wir wirklich sind und sein möchten.





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