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  • Susanne Strässle

Wartest du noch auf Antworten?

Wenn der Partner sich trennt, bleiben viele Fragen. Du hoffst nach der Trennung auf seine Antworten, die dir helfen, zu verstehen, loszulassen, weiterzugehen. Warum der Andere sie dir nicht geben kann, und wie du sie trotzdem findest.


"Ich habe noch so viele Fragen." Wie oft sagen Frauen, dass sie verstehen wollen, dass sie Erklärungen brauchen. Wie sehr sie sich wünschten, ihr Partner, der sich getrennt hat, würde ihnen die Antworten geben, die sie brauchen, um nach der Trennung weiterzugehen, um loszulassen, um zu begreifen, was da passiert ist. Warum der Andere gegangen ist. Was sie hätten anders machen können. Was jetzt zu tun ist.


Denn wir stehen nach einer Trennung sprachlos vor den Entscheiden des Anderen. Verstehen nicht, wie und wann er sich wegbewegt hat vom Gemeinsamen. Wo die Nähe verloren ging. Warum er nicht bereit war, sich zu offenbaren, nicht bereit ist, an der Beziehung zu arbeiten. Wie er zu dem Fremden werden konnte, als der er nun plötzlich vor uns steht.


Wir denken, hätten wir Antworten, würde uns das befreien.

Doch oft ist der Andere nicht bereit zu reden, er zieht sich zurück. Oder wir erleben seine Antworten als ungenügend und unbefriedigend.


Die Sache mit den Antworten hat meiner Erfahrung nach zwei Seien:

Die eine ist ernüchternd:


Du wirst die erlösende Antwort nach einer Trennung aller Wahrscheinlichkeit nach nicht von deinem Ex-Partner bekommen können.

Weil der Andere sie dir nicht gibt, nicht sprechen will – sie nicht geben kann. Denn auch bei ihm herrscht wohl nicht eine Klarheit im Kopf, die es nur auszusprechen gälte. Er kann oder will jetzt nicht in die dafür notwendige Reflexion gehen. Oder ist dazu gar nicht in der Lage. Erklärungen, die nun kommen, drücken oft nur das eine, bereits Bekannte aus: Das Jetzt-nicht-mehr-Wollen.


Das zu akzeptieren ist nach einer Trennung, die der andere allein für sich entschieden hat, unheimlich schwer. Aber bitte denk auch darüber nach: Stell dir vor, dein Ex-Partner könnte dir jetzt die beste und reflektierteste Erklärung geben, die du dir wünschst. Bist du sicher, dass sie dir helfen und dich erlösen würde?


Wäre er zu diesem Grad an Reflexion fähig, wäre er dann nicht umso ein Partner, den du noch viel weniger würdest loslassen wollen?

Und vor allem:


Kann dich irgendeine Erklärung in deiner Not befriedigen und erlösen, wenn es am Ende doch immer wieder ein Nein zu eurer Beziehung ist?


Hoffst du nicht insgeheim, mit der Erklärung ginge die Einsicht einher, dass die Trennung ein Fehler war? Denn dieses Nein wirklich zu akzeptieren, wenn alles in dir Ja ruft, ist jetzt im akuten Schmerz fast unmöglich. Es würde schier übermenschliche Grösse von dir verlangen: eine Abgeklärtheit und innere Distanz, die Liebenden und Begehrenden selten eigen ist.


Warum wir dennoch auf die erlösende Antwort hoffen: Wir denken, alles andere als das, was wir gerade jetzt fühlen, wäre weniger schmerzhaft. Aber das ist meist eine Illusion. Grad so, wie wenn du nach unbequem langem Stehen von einem Bein aufs andere wechselt. Es wird unbequem und schmerzhaft bleiben.


Und doch gibt es Hoffnung. Eine sehr grosse sogar:

Denn, und das ist die andere Seite:


Du brauchst diese fehlenden Antworten nicht, um weiterzugehen.

Weil sie nie befriedigend und ausreichend sein können.

Aber auch, weil es Antworten sind, die du selbst für dich finden kannst.


Ja, es ist sogar an uns, sie zu finden, weil sie Teil unseres Wegs ins Neue sind.

Denn es sind letztlich unsere eigenen Fragen. Die nach unseren eigenen Antworten verlangen. Eine objektive Wahrheit ausserhalb von den Beteiligten, die gibt es nicht. Deine Wahrheit zu erkennen, wahrzunehmen - und ernstzunehmen - ist ein wichtiger Schritt.


Es sind aber Antworten, die uns Geduld und Sorgsamkeit abverlangen.


Wenn wir noch durch die dunkle Schlucht wandern, können wir noch keinen Blick auf die ganze Landschaft werfen.


Vorschnelle Antworten, gerade die (selbst-)anklagenden, sind Antworten aus dieser Schlucht. Im Licht werden sie ganz anders aussehen.


Lasse dich darauf ein, erst einmal mit den Fragen zu leben. Dir zuzuhören, welche Fragen in dir auftauchen. Und wie du liebevoll und respektvoll mit ihnen und mit dir damit umgehst. Wie du vertrauen lernst. So dass deine eigenen kraftvollen Antworten daraus wachsen können. Das ist, das kann ich dir versichern, auch ein spannender und immer mehr auch lustvoller Prozess. Denn wir entdecken uns selbst. Und nicht selten ganz neu.


Es lohnt sich, deine Antworten nicht bei anderen zu suchen, nicht bei deinem Ex-Partner, aber auch nicht in einem neuen Partner. Nicht im aussen. Wir können anderen zuhören, mit ihnen in Dialog treten. Aber lerne dir selbst zu vertrauen und deine Antworten zu hören – und zu leben.



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